Ich war politisch schon immer sehr interessiert, habe mich aber bisher nicht aktiv beteiligt. Wie so viele. Ich war immer unzufrieden und habe das auch durchaus zum Ausdruck gebracht, wenn es jemand hören wollte – einen aktiven Versuch, etwas zu ändern, habe ich jedoch nicht unternommen.

Und nun gibt es seit einiger Zeit die Piratenpartei. Ich habe mich lange dagegen gestreubt, diese “Partei” überhaupt ernst zu nehmen. Zu dünn waren die Aussagen. Doch eines fällt mir inzwischen wieder auf: Lieber eine Partei, die in wenigen Punkten wirklich Kompetenz besitzt, als eine, die sich als allwissend sieht.

Es gibt so viele Dinge, die ich einfach nicht verstehe in der Politik. Ich kann sie natürlich aus Sicht von Lobbyisten nachvollziehen, aber das hat nichts mit Demokratie zu tun. Beispiele? Über die GEZ-Gebühren habe ich mich hier schon genug aufgeregt, ist aber immer noch ein beliebtes Thema von mir. Staatliches Pay-TV mit Abo-Pflicht, muss das sein? Oder Umweltplaketten für Autos. Der Ansatz mag ja nicht verkehrt sein, aber dann darf man auch keine Ausnahmen machen. Und davon gibt es eben reichlich. Oder die Umweltprämie. Großartig, als ob das der Umwelt was nutzen würde. Wie viele Jahre kann man ein altes Auto woll weiter fahren, bis die Umweltverschmutzung höher ist wie die, die bei der Produktion eines Neuwagens entsteht? Von der Entsorgung des Altfahrzeugs mal abgesehen.

Es gibt noch mehr solche Punkte.

Ich weiß noch nicht, wie aktiv ich das Ganze angehen werde. Und noch bin ich auch kein Parteimitglied. Vielleicht ist die Frustrationsgrenze noch nicht ganz erreicht. Aber wenn ich mir die Politik heute so anschaue, kann das nicht mehr lange dauern. Und ich bin nicht der Einzige.

Auch “Die Grünen” waren einst eine Nischenpartei, die nur Umweltpolitik gemacht hat. Und doch sind sie schon lange im Bundestag vertreten. Man stelle sich das einfach mal vor: Die Piratenpartei schafft nächsten Monat die 5%-Hürde. Einfach nur mal vorstellen. Und dabei sind die Wähler ja nicht nur “Protestwähler” oder “politisch Frustrierte”, sondern eben auch Abwanderer aus den großen Parteien. Die FDP soll besonders leiden.

Die Piratenpartei muss und wird in Zukunft weitere Kompetenzen aufbauen, da bin ich mir sicher. Aber schon jetzt ist sie für mich die glaubwürdigste Partei. Schon alleine, weil sie sagen, dass sie eben in anderen Bereichen keine Kompetenzen haben und damit dann dementsprechend keinen Wahlkampf betreiben. Man könnte – wie andere Parteien – ja auch einfach mal Steuergeschenke oder Vollbeschäftigung versprechen. Aber ist das seriös, glaubhaft, authentisch? Die Antwort kennt ihr.

P.S.: Ulrich Wickert über die Piratenpartei.