Hallo, mein Name ist Patrick Queisler. Seit 2003 arbeite ich als Webdesigner in Bonn. Dies ist mein persönlicher Blog, meine Spielwiese. Willkommen!
Herrlich, da beschäftigt man sich seit ein paar Tagen mal wieder verstärkt mit der aktuellen Politik unserer Volksvertreter (wer sich vertreten fühl möge die Hand heben), und schon liefern sie wieder negatives Futter.
Ich zitiere mal einen Teil des Beitrags von golem.de:
“In den letzten Tagen hatten ranghohe Regierungsmitglieder aus der Union in dramatischen Worten verschärfte Kontrollen im Internet gefordert. Kanzleramtsminister Thomas de Maizière war für Verkehrsregeln im Internet eingetreten, die ähnlich wie auf den Finanzmärkten aussehen sollten. Sonst werde es im Internet zu Scheußlichkeiten kommen, die jede Vorstellungskraft sprengten, warnte er. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte ebenfalls angedeutet, das Gesetz für Internetsperren ausweiten zu wollen. Das Internet drohe sonst zu einem rechtsfreien Chaosraum zu werden, in dem hemmungslos gemobbt, beleidigt und betrogen werde.”
Erstmal sacken lassen. Wir haben nun das Gesetz zur Sperrung von Internetseiten, geschaffen zur Bekämpfung von Kinderp*rnografie. Nicht nur, dass nicht nachvollziehbar ist, was und warum genau gesperrt wurde – das Gesetz ist sogar eine super Hilfe für die eigentlichen Straftäter. So ein plakatives Hinweisschild auf der eigenen Internetseite würde mir als Seitenbetreiber doch sagen, dass ich mich schnellstmöglich vom Acker machen sollte, da gleich die Polizei bei mir im Wohnzimmer steht. Oder nicht?
Viel schlimmer ist allerdings, dass Politiker direkt nach Verabschiedung des Gesetzes gleich weitere Forderungen stellten. Man könnte ja auch “brutale” Internetseiten sperren. Oder generell alles, was irgendwie mit Sex zu tun hat. Das will ja auch keine sehen, bah!
Erinnert mich schwer an den Vorschlag eines Politikers vor ca. 2 Jahren: Man könnte das Internet doch nachts ausschalten. Ja, genau. Das Internet ausschalten. Aber nur für Deutschland oder wie? Also bitte. Wenn man nun wirklich NULL Kompetenz in einem Thema hat, sollte man sich auch nicht dazu äußern. Sonst wird irgendwann noch die Website der CDU gesperrt, weil da nur Blödsinn verzapft wird.
Verzeiht mir das bisschen Wahlkampf: Je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass die einzige Alternative die Piratenpartei ist. Ja, das Programm ist schmal. Aber es geht für die Piraten ja nicht darum, den nächsten Bundeskanzler zu stellen. Es geht nur darum, erstmal dabei zu sein und unsere Interessen – im Sinne einer Volksvertretung – zu wahren.
Wollen wir denn wirklich alle gläserne Bürger sein? Personalausweis mit Fingerabdruck, Versichtertenkarte mit allen unseren Krankendaten auf einem Server des Gesundheitsministeriums? Ich weiß nicht wir ihr das seht, aber mir war die ärztliche Schweigepflicht immer wichtig. Und ich will auch nicht beim nächsten Antrag auf einen Personalausweis meinen Fingerabdruck abgeben müssen – wir ein Verbrecher.
Die Regierung stellt über 82.000.000 Bürger unseres Landes unter Generalverdacht (schönes Video dazu), unter dem Deckmantel der Terrorismus-Bekämpfung. Natürlich ist das Thema Terrorismus nicht zu leugnen – aber wie viele Menschen sind doch gleich in den letzten Jahren in Deutschland durch Terrorismus umgekommen? Richtig, keiner!
Und warum muss unser Staat wissen, wann ich mit wem telefoniert habe? Klar, die Daten werden nach “6 bis 7 Monaten” gelöscht. Aber was passiert in dieser Zeit mit den Daten? Auch die USA haben darauf Zugriff – und die löschen die Daten sicher nicht, weil ein deutsches Gesetz das vorsieht. Ebenso meine E-Mails.
Freunde, was hier gerade passiert ist die absolute Aushölung aller unserer Grundrechte! Zur kleinen Übersicht:
Auf das Thema Urheberrechte und Lizenzen bin ich noch garnicht gekommen. Mal einfach dargestellt:
Schulen können also in keiner Weise von diesen von uns bezahlten Forschungen profitieren. Die Bildung bleibt auf der Strecke. Dabei gibt es längt freie Lizenzmodelle, die genau das erlauben (Stichwort Creative Commons).
Über die geplanten Verbote von “Killerspielen” und “Paintball” lasse ich mich jetzt mal nicht aus. Das ist so lächerlich, dass jedes geschriebene Wort dafür zu schade ist. Verbieten wir doch einfach alles, was potentiell mal irgendwann, irgendwie gefährlich werden könnte. Brotmesser, Nagelfeilen, Autos sowieso. Und dann noch alle Bürger in Watte packen, Mund und Ohren zukleben. Man kann ja auch wirklich keinem Durchschnittsbürger zumuten, über sein eigenes Leben zu entscheiden.
Man kann auch einfach mal Günther Beckstein (CSU) sprechen lassen:
“Killerspiele sollten bei der Strafbewährung in der Größenordnung von Kinderpornografie eingeordnet werden”
Schwer zu toppen! Übrigens sind “gewaltverherrlichende” Spiele (und andere Medien) schon lange verboten. Dafür gibt es ja die BPjM (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien).
Freunde, “1984″ war nicht als Anleitung gedacht! Also, Kopf einschalten, Mund aufmachen, Piraten wählen!
Moritz
11. August 2009 um 22:19
Zum Terrorismus: Ganz abgesehen davon, dass die Überwachung uns vor etwas schützen soll, mit dem wir bis heute gut ohne weiteren Schutz ausgekommen sind, sehe ich die Sache so: Es ist doch viel sinnvoller, bei der Kriegsführung besser aufzupassen – und dass wir Kriege führen, weiß bis auf die BILD-Leder doch schon absolut jeder – und so zu verhindern, dass die Aufmerksamkeit solcher Terroristen überhaupt erst auf uns gelenkt wird. Wenn man solche Auslandskonflikte in einem längeren Zeitraum, Schritt für Schritt löst, dann dauert das zwar länger, fordert aber vermutlich auf allen Seiten auch weniger Opfer UND macht einen Überwachungsstaat hierzulande noch unnötiger, als er sowieso schon ist.
Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich die Sache noch entwickelt. Auch gehe ich davon aus, dass die CDU/CSU an der nächsten Koalition beteiligt sein wird (ob mit SPD oder FDP kann man ja noch nicht richtig sagen) und wir in den nächsten Jahren noch viel mehr von dieser Gesetzgebung der Ahnungslosen zu spüren bekommen werden. Nur glaube ich, dass die Union da ganz klar eine Sache vergessen hat: die Nutzer des Internets. Wir haben im letzten Jahr schon gewaltige Schritte nach vorne gemacht und dürften in den nächsten Jahren noch um einiges schneller vorankommen. Zudem ist das für uns ein klares Heimspiel, denn – lieber Herr Westerwelle – für uns ist ein Computer kein Werkzeug wie ein Hammer :-D
Goga
21. August 2009 um 17:10
Wenn die Piraten in den Bundestag einziehen würden, wäre das schon ne feine Sache.
Für mich persönlich ist das aber nicht der größte Wunsch für das Ergebnis der Bundestagswahl. Es wäre schon schön, wenn wir uns keine große Koalition mehr antun müssten, sondern eine der beiden Volksparteien mit dem Rest eine starke Opposition bilden würde. So wie jetzt geht das auf Dauer einfach nicht…
Pat
21. August 2009 um 19:41
Und gings vorher mit SPD/Grünen so richtig? Ich hab damals sogar selbst die SPD gewählt und fand und finde Herrn Schröder sehr sympathisch. Und viele Dinge, die die große Koalition jetzt für sich verbucht, wurden damals angeschoben – aber so RICHTIG gut war das auch nicht.
Mal davon abgesehen, dass ich weder bei CDU noch SPD den richtig guten Kanzlerkandidaten sehe.
Moritz
09. September 2009 um 14:29
@Goga: Also mir ist eine Große Koalition lieber als schwarz-gelb. Denn dass die FDP nicht wirklich für Bürgerrechte steht, checken langsam ja sogar die Piraten. Eine FDP an der Macht wird die Sachen fortführen, die unter anderem für die aktuelle Krise verantwortlich sind.
Ich denke auch, dass wir wieder eine Große Koalition kriegen werden. Die kommenden Wahlen werden nichts verändern – nichts für die Piraten und nichts für Deutschland. Aber die übernächste Bundestagswahl wird dann vermutlich einen Wandel bringen, und der wird hoffentlich ziemlich heftig werden.
Kanzlerkandidat is eh so ne Sache. Die einzigen, die richtig Ausstrahlung haben, sind imo Gysi, Lafontaine und Özdemir – und von denen wird keiner Kanzler werden. Die Option “Merkel oder Steinmeyer” ist ein Witz, auch wenn ich die SPD wie immer der Union vorziehe.
@Pat: Unter Schröder hatte die SPD wenigstens noch ein Profil. Jetzt eiert sie der CDU/CSU hinterher, und die Grünen können sich auch nicht entscheiden, auf wessen Seite sie egtl. stehen.